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Die französische Sprache

Französisch

Von der Zeit der Troubadours und Bänkelsänger, welche die Liebe besangen, über die Pariser Salons – Treffpunkte brillanter Rede- und Verführungskünste im 17. und 18. Jahrhundert – bis hin zu den heutigen Tagen galt und gilt Französisch unbestritten als Sprache der Liebe. Doch bevor sie zur Lieblingssprache der japanischen Studenten wurde, war die germanischste aller romanischen Sprachen in erster Linie in Paris zu Hause.

Kurze Geschichte der Sprache von Paris
50 Jahre nach Ankunft der ersten römischen Legionen in der Provence 120 v. Chr. wechselten die gallischen Völker von ihrer keltischen Sprache zum Latein. Dieses veränderte sich im täglichen Gebrauch markant, doch noch wurde nicht Französisch daraus.

Im 3. Jahrhundert besetzten die Franken (ursprünglich Söldner im Dienst der römischen Armee) den Norden Galliens. Zweihundert Jahre später liessen sich die Alemannen im Osten nieder (mit einer Sprache, die bis heute überlebt hat: Elsässisch). Alles begann schliesslich mit der Konversion der Franken zum christlichen Glauben, mit dem sie 498 ihrem Anführer Chlodwig folgten. Fortan herrschte eine lateinisch-germanische Zweisprachigkeit, ein Schmelztiegel als Nährboden der zukünftigen französischen Sprache. Der germanische Einfluss zeigt sich in vielen Bereichen: In der vollständigen Erneuerung der Farbensemantik; in unzähligen Substantiven der Themenkreise Krieg, Bau, Meer, Kleidung, häusliches Leben, Küche, Landwirtschaft und Tiere; in zahlreichen Verben und in der Form der Toponyme, die, vor allem in Nordfrankreich, ebenfalls germanischer Herkunft sind.

Die eigentliche Geburt der französischen Sprache im Mittelalter beruhte auf der grossen Ausdehnung des Lateinischen in Gallien. Drei Dialektformen halfen mit, die französische Sprache zu übertragen:
  • Die Langue d’oc im Süden (nahe am Latein)
  • Die Langue d’oïl im Norden (stark von den germanischen Sprachen beeinflusst)
  • Das Franko-Provenzalische (okzitanisch und nahe an den Langues d’oïl)

Nur die Langue d’oïl erlangte jedoch nationalen Wert, dank dem sie sich praktisch im ganzen Land auf allen Ebenen durchsetzte und den Namen «Französisch» monopolisierte. Diese frühe Vorherrschaft des Pariser Französisch, das seit dem 10. Jahrhundert zur Sprache des Königs wurde, führte zum raschen Rückgang aller übriger gesprochenen Formen. Im Gebiet der Langue d’oïl verschwanden die Dialekte am stärksten. Das Franko-Provenzalische, das im 14. Jahrhundert von Lyon und Genf aufgegeben wurde, überlebte in der Westschweiz stärker als anderswo. Im 13. Jahrhundert führte der Albigenser-Kreuzzug zur direkten Eingliederung der Langue d’oc ins Königreich, und das Französisch des Königs setzte sich einmal mehr durch. Es dauerte dann bis zum 19. Jahrhundert, ehe das Provenzalische mit dem Dichter Frédéric Mistral eine Blütezeit erlebte, und im 20. Jahrhundert entstand ein neues Bewusstsein für das Okzitanisch.

Trotz der immer grösseren Macht der sich von Paris aus verbreitenden Sprache konnten in allen Regionen nicht nur die Patois lateinischen Ursprungs wie Wallonisch und Normannisch, sondern auch nicht-romanische Sprachen baskischen, keltischen (Bretonisch) und germanischen Ursprungs (Flämisch, Elsässisch, Fränkisch-lothringisch) bis ins 20. Jahrhundert überleben.

In der heutigen Zeit erscheint die französische Sprache als Ergebnis einer glücklichen Synthese zwischen der Langue de Paris und den Sprachen, die sich in den anderen Provinzen entwickelt hatten. Färbungen der alten Dialekte findet man in den Akzenten des «Regionalfranzösisch» (Belgisch-Französisch, das Französisch der Haute-Marne, des Elsass, der Waadt, von Marseille, Toulouse, Korsika usw.); ebenso zeigt die Sprache eine Vermischung des Französischen mit seinem germanischem Ursprung, den Feinheiten des Italienischen (im 16. Jahrhundert mit Caterina und Maria de Medici), den exotischen Einschlägen aus dem Spanischen und Portugiesischen (17. Jahrhundert) und dem aktuellen Einfluss des Englischen.

Diese verschiedenen Ursprünge, zu denen eine grosse Ausdehnung ausserhalb des eigentlichen Sprachgebietes hinzukommt, helfen zweifellos, die Unterschiedlichkeit, Vielfalt und Poetik des gesprochenen Französisch in der Schweiz, im Aosta-Tal, in Belgien, Kanada, im Gebiet des Indischen Ozeans, in Afrika und Ozeanien besser zu verstehen.

> Das von mehr als 110 Millionen Personen in der ganzen Welt gesprochene Französisch ist offizielle Sprache in:

Europa:
Belgien*, Frankreich, Aosta-Tal* (Italien), Anglonormannische Inseln*, Luxemburg*, Monaco, Schweiz: Bern*, Freiburg*, Genf, Jura, Neuenburg, Wallis*, Waadt.
Afrika:
Benin, Burkina Faso, Burundi*, Kamerun*, Zentralafrika, Kongo, Elfenbeinküste, Dschibuti*, Gabon, Guinea, Mali, Mauretanien*, Niger, Rwanda*, Senegal, Tschad*, Togo.
Amerika:
New-Brunswick*(CAN), Nunavut*(CAN), Québec(CAN), Nordwest-Territorien*(CAN), Louisiana*(USA), Haiti, Guadeloupe, Martinique, Guyana, Saint-Pierre-et-Miquelon.
Indischer Ozean:
La Réunion, Komoren*, Madagaskar*, Mauritius*, Seychellen*, Mayotte.
Ozeanien:
Vanuatu*, Tahiti, Neukaledonien, Wallis und Futuna

* Länder mit anderen offiziellen Sprachen neben Französisch.

> Klassifikation nach Familie:
Indoeuropäisch>Lateinisch>Westromanisch>Galloromanisch>Langues d’oïl>Französisch

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